#76 – Hast du als IT-Unternehmer das Thema Sicherheit und Risiko auf dem Schirm?

Dieses Mal im IT-founder Podcast:

Du kennst jemanden, der diesen Podcast hören sollte? Teile dein Wissen:

Im Interview mit Roger Powilleit: Welche Versicherung brauche ich als IT-Unternehmer

In dieser Podcast-Episode habe ich mal wieder einen interessanten Gast für euch: Roger Powilleit ist Versicherungsmakler, speziell für die IT-Branche, und erzählt uns heute Einiges zum Thema Sicherheit und Risiko.

Es geht unter anderem darum, was man alles so versichern kann und welche Versicherungen wirklich wichtig sind. Außerdem spricht er über die Vor- und Nachteile von persönlicher Beratung und Direktversicherung.

Nachfolgend findest du einen kleinen Auszug aus dem Interview, aber hör am besten auch gleich in das Interview rein. Viel Spaß beim Anhören!

Wie geht man das Thema Versicherung an?

Tobi:

Schön, dass du da bist, Roger. Zunächst würde ich gerne von Dir wissen, wie nähere ich mich am besten dem Thema Versicherung? Hast du da einen Einstieg, wie man als IT-Fachmann so eine Art Inventur macht oder was würdest du vorschlagen?

Roger:
Letztendlich ist es das persönliche Risikomanagement. Wenn man einen Kunden berät zum Thema IT-Risiken, wird ja auch geschaut, was für Risiken gibt es, kann man die vermeiden, auf jemand anderen abwälzen und bekommt man sie kleiner durch bestimmte Maßnahmen? Versicherungen sind da ein Teil der Lösung, die man für sich selber auch nutzen kann. Meine Empfehlung ist immer zu schauen, was für Risiken bzw. was für einen Bedarf hab ich? Kann ich es selber regeln? Was leistet eine Versicherung? Wie kann sie mir helfen und steht die Prämie dazu in einem vernünftigen Verhältnis.

Was gibt es für Risiken?

Tobi:
Woher weiß ich, welche Risiken da sind und welche Versicherungen in Frage kommen? Was sind deiner Meinung nach die Top-Risiken?

Roger:
Das größte Risiko besteht in der Haftung aus der eignen Tätigkeit. Vielleicht ist ein Projekt nicht so gelaufen, du hast etwas kaputt gemacht oder jemanden verletzt, der jetzt Schadensersatz verlangt. Es geht also generell um die Schäden Dritter, die du begleichen müsstest.

Tobi:
Da fällt mir tatsächlich eine konkrete Situation ein, die ich erlebt habe.

Ich hab keine Betriebshaftpflichtversicherung gehabt zu dem Zeitpunkt, war als IT-Dienstleister unterwegs, hab beim Kunden eine neue IT-Infrastruktur implementiert, natürlich auch mit Backup-System und dann ist tatsächlich der Schadensfall eingetreten. Ein paar Wochen nach Implementierung kam ein Anruf, dass die komplette Firma steht und der Server ausgefallen ist. Leider konnte ich es nicht wieder zum Laufen bekommen. Es waren tatsächlich zwei RAID-Platten gleichzeitig kaputt und der Kunde hat kein Backup gemacht. Dann kam ein Schreiben, ich möge doch bitte für den Ausfall aufkommen in Höhe einer Summe von 100.000 Euro. Es war aber klar, dass der Kunde das Backup durchführen hätte müssen und in der Pflicht war, die Bänder zu prüfen. Ist das ein Risiko, wo eine Versicherung eingetreten wäre?

Roger:
Ja, natürlich wäre hier eine Versicherung eingetreten. 

Eine Haftpflichtversicherung hat mehrere Aufgaben. Die eine ist, erstmal zu prüfen, ob so ein Fall versichert ist. Ich sag mal dieser Fall wäre mit drin gewesen. Ist der Anspruch an dich gerechtfertigt? Wenn dem so wäre, hätte sie geleistet. Wenn dem nicht so wäre, hätte die Versicherung auch die Abwehr vor Gericht des Ganzen übernommen. 

Wie hoch können die Prämien sein?

Tobi:
In welcher Größenordnung bewegen sich denn die Prämien da? Nehmen wir als Beispiel eine Betriebshaftpflicht für ein kleines Unternehmen. Sagen wir einmal ich hab so zwischen 100.000 und 200.000 Euro Jahresumsatz und möchte jetzt tatsächlich dieses Haftungsrisiko eingrenzen

Roger:
Das geht ab ein paar hundert Euro pro Jahr los. Abhängig von der Unternehmensgröße und davon, ob man mit kritischen Infrastrukturen zu tun oder in welchen Bereichen man arbeitet, kann es auch in den 5-stelligen Bereich gehen. Aber bei Letzterem ist man auch schon ein größeres Unternehmen mit einem viel größeren Haftungspotential. Wobei man nicht vergessen darf, dass ein kleines Unternehmen noch viel mehr Probleme hat, wenn es ähnlich große Aufträge abwickelt, wie ein großes Unternehmen.

Tobi:
Ich bin tatsächlich auch ein Versicherungsmuffel und mag mich nicht so gerne mit dem Thema beschäftigen, aber ab und zu sollte man da mal drauf schauen, oder?

Roger:
Das ist ein wichtiger Punkt. Man sollte in der Tat auch eine regelmäßige Betreuung mit reinnehmen und das Ganze besprechen. Wenn sich Veränderungen im Unternehmen ergeben, wie neue Mitarbeiter oder andere Projekte, dann lieber nochmal nachhaken, ob das gedeckt ist oder man etwas beachten muss

Was ist der Unterschied zwischen Makler und Honorarberater?

Tobi:
Ja, das stimmt. Ich hab in der Vergangenheit an verschiedenen Stellen Versicherungen abgeschlossen und mit verschiedenen Leuten zusammengearbeitet. Das waren manchmal größere Organisationen, die deutschlandweit unterwegs sind.

Was ist der Unterschied zwischen Versicherungsmakler und Honorarberater?

Roger:
Letztendlich ist es die Art der Vergütung. In beiden Fällen, egal ob Makler oder Berater, steht die Person auf deiner Seite. Man ist also parteiisch für seinen Kunden. Ein Honorar ist, wenn man festlegt, für eine bestimmte Leistung möchte ich gerne einen Betrag X haben. 

In meinem Fall als Makler ist es so, ich nach Erfolg bezahlt und bekomme etwas von der Prämie, die du zahlst, ab.

Tobi:
Du sagtest gerade, dass es sinnvoll ist regelmäßig drauf zu schauen, ob alles noch passt. Ich bin da nicht im Dialog mit meinen Maklern. Wie lebst du das, wenn du mit Unternehmern zusammenarbeitest?

Roger:
Mit Unternehmern hat man ja mehrmals im Jahr Kontakt (zumindest ist das bei mir so). Normalerweise lebe ich es so, dass die Kunden bei veränderten Situationen auf mich zukommen. Wo es nicht so ist, schicke ich mal einen Fragebogen als Erinnerung hin, wo abgefragt wird, ob das noch der aktuelle Stand ist oder nicht. Dann spreche ich das persönlich durch, um auch dahingehend beraten zu können, ob ein Versicherungswechsel nötig ist. Dabei spreche ich auch Themen an, die vielleicht zusätzlich interessant sein könnten. Lieber zu viel informiert, als zu wenig. 

Welche Versicherung ist die wichtigste?

Tobi:
Jetzt nochmal zum Thema „Inventarisierung meiner Risiken“. Du hattest ja angesprochen, dieses große Risiko Haftung. Es gibt also Betriebshaftversicherungen, die dir helfen können, dieses Risiko zu reduzieren. Hab ich dann auf dem Gebiet soweit das Wichtigste oder gibt es da noch andere große Themen in diesem Haftungsbereich?

Roger:
Es gibt natürlich verschiedene Bereiche der Haftung. Einem Handwerker passiert es vielleicht schneller, dass er irgendwo etwas kaputt macht, ein IT-Dienstleister kann aus der Beratung einen Fehler machen oder bei der Implementierung von Software.  Meistens handelt es sich bei den Schäden nicht um Personen- oder Sachschäden, sondern um Vermögensschäden. Das heißt, das Unternehmen verdient in der Zeit weniger Geld. Das ist das Hauptrisikopotential, dass es, gerade im IT-Unternehmen, zu Vermögensschäden kommt bzw. es um Geldeinbußen beim Kunden kommt. 

Es gibt aber auch andere Bereiche, die noch betrachtet werden sollten.

Stell dir vor, du hast ein Büro mit einem Server und mehrere Arbeitsplätze, die zum Beispiel mit 3 Apple MacBooks ausgestattet sind und dann brennt das Büro aus. Dann ist da Stillstand. Jetzt kann man sich überlegen, steht der Server in der Cloud, dann wird der Ausfall nicht so groß sein. Man möchte aber dennoch seine IT erstattet haben. Zusätzlich kann es sein, dass die eigene Website durch so einen Brand nicht mehr funktioniert und man große Verluste dadurch hat. Dies trifft besonders auf einen Webshop zu.

Ein anderer folgenschwerer Schaden könnte auch ein Wasserrohrbruch sein. 

In diesen Fällen wäre es von Vorteil, wenn man eine Inhaltsversicherung oder eine Betriebsunterbrechungsversicherung hätte. Es ist sozusagen das Pendant zur privaten Hausratsversicherung, nur für das Unternehmen.

Jetzt gilt es das Ganze abzuwägen. Stemme ich den Schaden auch ohne Versicherung oder würde es das Aus bedeuten?

Außerdem kannst du dir am Anfang überlegen, wie hoch die Versicherungssumme der gesamten technischen Geräte (Laptop, Handy, Monitore, etc.) ist und diese gesammelt abzusichern.

Wie versichert sich ein Versicherungsmakler?

Tobi:
Was hast du selbst für dich abgesichert?

Roger:
Ich hab natürlich eine Haftpflichtversicherung. Dazu bin ich als Versicherungsmakler verpflichtet. Da hab ich genau die Bausteine reingenommen, die wir gerade besprochen haben. Vermögensschäden, Sachschäden und Personenschäden. Ich hab ein Büro, einen Server, Monitore, ein Diensttelefon, etc. Das hab ich alles zusammengefasst und eine Versicherungssumme dafür festgelegt und es für ein paar hundert Euro im Jahr versichert. Jetzt kann man sich noch überlegen, ob man eine Selbstbeteiligung mit reinnimmt oder nicht.

Ich hab auch mein eigenes Risikomanagement gemacht, sprich Backups gemacht, die nicht nur hier auf dem Server liegen, sondern auch außerhalb. 

Braucht man eine Berufsunfähigkeitsversicherung und was ist mit der Altersvorsorge?

Tobi:
Lass und über das Thema Berufsunfähigkeitsversicherung sprechen. Würdest du sagen, dass diese Versicherung auch für einen selbstständigen ITler Pflicht ist? 

Roger:
Ja, ich denke schon. Aber vielleicht ist es gar nicht die Berufsunfähigkeitsversicherung, sondern es geht um eine Ausgabenabsicherung. Dies gewährleistet, dass du im Krankheitsfall für einen längeren Zeitraum abgesichert bist und deine Kosten gedeckt sind. Ich finde, dass viel zu wenige sich dahingehend absichern oder sich damit beschäftigen. 

Tobi:
OK und was sagst du zum Thema Altersvorsorge? Macht es Sinn, eine fondsgebundene Kapitallebensversicherung abzuschließen? Macht es Sinn, eine Riesterrente zu machen? 

Roger:
Das ist ein sehr zweischneidiges Schwert. Mit der einen Entscheidung nimmt man sich andere Sachen weg. Man sollte sich da helfen lassen und analysieren, was ist das passende Modell. Und auch hier gilt: regelmäßig prüfen und an die geänderten Lebenssituationen anpassen. 

Beratung oder Direktversicherung?

Tobi:
Lohnt es sich heutzutage noch mit einem Makler zu arbeiten oder sind Online Direktversicherungen nicht günstiger? Sind Direktversicherungen auch wirklich günstiger?

Roger:
Wenn du keine Beratung wünscht und alles weißt, dann kannst du das direkt machen. In manchen Bereichen, wie z.B. im KFZ-Bereich, sind sie schon günstiger. Aber die meisten Versicherungsprodukte sind nun mal erklärungsbedürftig. Die Beratung muss ja nicht direkt vor Ort sein, aber es hilft, weil die Fragen kommen einfach. Besonders im Schadensfall möchte man mit jemandem drüber reden und benötigt vielleicht Beratung.

Tobi:
Das stimmt, wenn es zu einem Schaden kommt, möchte man sicherlich beraten werden. 

Kommen die Kunden für einen Beratungstermin zu dir oder fährst du zu den Kunden?

Roger:
Ich hab auch Kunden die zu mir ins Büro kommen, weil sie in der Nähe sind, aber viele meiner Kunden sind auch weiter weg. Deswegen biete ich eine Onlineberatung über ein spezielles Tool an. Ich hab das Gefühl, dass die Onlineberatung vielen sogar angenehmer ist, als ein persönlicher Besuch zu Hause.

Tobi:
Wie ist es, wenn ich Mitarbeiter beschäftige, gibt es bestimmte Versicherungen, die ich machen muss bzw. wie kann ich Versicherungen auch nutzen, um Anreize zu liefern?

Roger:
Es ist nicht obligatorisch, für Mitarbeiter eine Versicherung zu machen. Es gibt Versicherungen, in die man Mitarbeiter mit reinnehmen kann. In einer Haftpflicht zum Beispiel, sind Mitarbeiter mitversichert. 

Zudem kann man sich überlegen, was man für seine Mitarbeiter tun möchte. Aus der IT-Branche höre ich sehr häufig, dass es schwierig ist, neue Mitarbeiter zu finden bzw. dass die Fluktuation sehr hoch ist. Hier könnte der Arbeitgeber zum einen eine Altersvorsorge für den Mitarbeiter bezuschussen oder er bietet eine Krankenzusatzversicherung mit besonderen Konditionen, wie niedrigere Prämien, keine Wartezeiten oder ohne Gesundheitsfragen. Steuerlich gesehen kann der Arbeitgeber das auch als Aufwand verbuchen. Es gibt aber sicherlich noch einiges mehr, was man hier tun könnte. Am besten lasst ihr euch beraten :-).

Super Roger, vielen Dank für das Interview und die vielen guten Tipps.

Wie kannst du der Community jetzt noch darüber hinaus helfen?

Roger:
Mein Vorschlag wäre, ein exklusiver, kostenfreier Beratungstermin mit mir für etwa 20 Minuten.

Das ist ein sehr schönes Angebot, Roger, vielen Dank!

Du kannst Roger auch unter diesen Adressen erreichen:
https://www.xing.com/profile/Roger_Powilleit/cv
https:/facebook.com/roger.powilleit.14
https:/instagram.com/rogerpowilleit/

Falls du noch weitere Fragen hast zu diesem Interview, kannst du mir auch gerne eine Nachricht senden an tobi [at]it-founder.de.

Ich hoffe, mit dieser Episode konnte ich dich wieder inspirieren und wünsche dir richtig viel Erfolg mit deinem IT-Unternehmen.

Wenn dir diese Folge gefallen hat, würde ich mich freuen, wenn du mir eine 5-Sterne-Bewertung auf iTunes hinterlässt. Als Dankeschön nenne ich dich persönlich in meiner nächsten Folge.

Je mehr positive Bewertungen mein Podcast hat, desto mehr kann ich mit meiner Arbeit erreichen. Außerdem bekomme ich durch dich wertvolles Feedback, das mir hilft, meine Episoden noch besser für dich zu machen und die Inhalte zu erstellen, die dich begeistern und weiterbringen.

Folge uns gerne auch auf:

Facebook: https://www.facebook.com/itfounder/
Facebook Community für IT-Unternehmen und IT-Gründer: https://www.it-founder.de/go/group/
Instagram: https://www.instagram.com/itfounder/

 

 


Diese Podcast-Episoden könnten dich auch interessieren:

IT Founder

Folge uns gerne auch auf unseren verschiedenen Kanälen:

About the Author Alex Gerrard

>