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Was ist der Unterschied zwischen Menschen, die nur gründen wollen und denen, die tatsächlich gründen? (Interview)

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by Alex Gerrard in IT-Unternehmen gründen
2. Juli 2018

Tobias Ziegler, der Gründer von IT-founder.de hat sich über dieses Thema mit der Psychologin Romy Schleicher unterhalten. Sie beschäftigt sich viel mit dem Thema „Wie unterscheiden sich Gründer von anderen Gründungsinteressierten, die ihr Vorhaben noch nicht in die Tat umsetzen?“ und hat dazu einige Leute interviewt. Zudem arbeitet sie als Life und Business Coach in Berlin mit Young Potentials zusammen.

Tobias:
Romy, was begeistert Dich für das Thema „Gründer“?

Romy:
Ursprünglich habe ich mich dafür begeistert, weil ich mich selbstständig machen wollte. Aber mich faszinieren auch die Menschen mit ihren unterschiedlichen Charakteren, die ich auf Reisen und hier in der Berliner Szene treffe und mit denen ich mich über dieses Thema unterhalten habe. Sie haben häufig etwas eher Unkonventionelles und es ist spannend, was sie auf die Beine stellen.

Tobias:
Ist eine Gründerpersönlichkeit vor der Gründung schon anders? Sind diese psychologischen Eigenschaften vorher schon gegeben und dann gründet man und baut die Firma auf oder ist es so, dass man sich durch das Gründen weiterentwickelt? Ich persönlich bin der Meinung, dass man durch die Gründung total viel dazulernt. Ich habe selbst bei meinen Firmen, die ich gegründet habe super viel dazu gelernt.

Romy:
In den Gesprächen, die ich geführt habe, habe ich festgestellt, dass da eine große Leidenschaft vorhanden ist, für das was sie tun. Und bei manchen hat sich diese Leidenschaft auch erst mit der Zeit entwickelt. Dazu kommt eine gewisse Leichtigkeit und Spaß beim Lernen. Ich glaube, dass wir für viele Fähigkeiten und Qualitäten, die wir bei uns nicht vermuten, dennoch das Potential in uns tragen.

Tobias:
Du hast also schon einen Unterschied bemerkt, aber Du hast auch gemerkt „Nobody is perfect“? Also auch die Leute, die Dir gegenüber waren, hatten so ihre Eigenarten. Waren einfach Charaktere und hatten auch ihre Schwächen. Gab es denn auch für dich als Psychologin konkrete Anfragen, wo jemand gefragt hat: Hast Du einen Tipp für mich, wie ich besser rüberkommen könnte oder wie ich irgendwelche Schwächen von mir ausgleichen könnte?

Romy:
Einen schnellen Tipp hätte ich jetzt nicht, weil das natürlich individuell ist. Jeder bringt eigene Stärken und Schwächen mit oder Fähigkeiten, die er über die Jahre entwickeln konnte. Speziell im IT-Bereich habe ich mit Leuten darüber gesprochen, die über eine sehr gute Konzentrationsfähigkeit verfügen, sich gut in bestimmte Aufgabe einarbeiten können und das kann bei einer Unternehmensgründung natürlich ein großer Vorteil sein. Und dabei gibt es aber einige, die von sich wissen, dass sie beim Networken oder im sozialen Bereich noch Potentiale haben, die sie entwickeln können. Und das kann man entwickeln. Ich kann natürlich meine Schwächen auch über einen Businesspartner ausgleichen, der komplementär über die Stärken verfügt, die ich vielleicht nicht habe. Dann bin ich in den frühen Phasen noch nicht gezwungen, Fähigkeiten zu entwickeln, die mir noch nicht so entsprechen.

Tobias:
Wenn ich merke, gewisse Themenbereiche machen mir keinen Spaß und sie liegen mir auch nicht, macht es dann Sinn sich einen Partner zu holen und Aufgaben auszulagern?

Romy:
Natürlich kommt es dabei auf die Gründungsform an bzw. ob ich es mir überhaupt leisten kann, andere Leute mit in mein Unternehmen zu holen bzw. Projekte outzusourcen. Also, wir hatten uns ja beim letzten Mal schon darüber unterhalten, dass das, was einem das Gründen vielleicht erleichtern kann, ist sicherlich Spaß an der Sache und ein Talent dafür – natürlich ist es ein großer Vorteil, bestimmte Fähigkeiten und ein Teil des Wissens schon zu haben, dann gehen einem die ersten Schritte vielleicht leichter von der Hand. Und ein großes Interesse daran ist offensichtlich hilfreich. Aber viel wichtiger empfinde ich anfangs bei allem die Frage „Was macht mir Spaß, wo habe ich Talente und woran habe ich ein großes Interesse?“.

Für alles andere muss ich mir überlegen, ob ich die Zeit habe, das sofort selbst zu entwickeln oder hole ich mir jemanden dazu. Man kann auf jeden Fall seine Intuition, seine Kreativität aufblühen lassen und sie fördern sowie die richtigen Bedingungen dafür herstellen.

Das ist das, was ich in den Gesprächen mit Gründern gut erkannt habe. Sie konnten sich gut strukturieren, sie haben sich selbst observiert und erkannt, wann sie sehr produktiv sind und welche Bedingen ihnen in ihrer Umgebung dabei helfen und welche nicht. Wenn ich zum Beispiel mein Telefon immer in der Nähe habe und immer erreichbar bin, dann kann das meinen kreativen Fluss bspw. unterbrechen. Auch haben viele berichtet, dass sie sich selbst Rituale oder bestimmte Abläufe eingerichtet haben, bei denen sie sich in ihren optimalen Arbeits- oder auch kreativen Zustand bringen.

Tobias:
Mir persönlich als Unternehmer geht es so, dass ich es als unglaublich herausfordernd empfinde, mit dem Freiraum, mit diesen vielen Möglichkeiten umzugehen und aus vielen Optionen auszuwählen, zu priorisieren, zu entscheiden, was ich jetzt mache. Ist das auch was, was du festgestellt hast mit Leuten die Gründen, mit diesem großen Freiraum?

Romy:
Ja, das sind jetzt eher Menschen aus dem künstlerischen Bereich, an die ich denke, aber auch aus dem technologischen Bereich. Die Leistungsmotivation ist sehr hoch und das Bedürfnis, voranzukommen. Da ist es nicht leicht, die Prioritäten für verschiedene Projekte zu bestimmen. Für die eigene Orientierung, aber auch um Durststrecken zu überwinden, wenn man viel arbeitet und noch keine Ergebnisse sieht und die Dinge erst ins Rollen kommen, konnte ich erkennen, dass viele auch eine Vision haben, an der sie sich Tag für Tag orientieren. Um zu wissen, warum tue ich das alles, was ist mein Sinn im Leben und worauf arbeite ich hin.

Vielleicht sollte man immer das Ziel oder eher die Sinnhaftigkeit im Auge haben. Man weiß ja auch nicht, wann man das erreicht und wie das vielleicht erreicht werden kann, aber man weiß wofür man Tag für Tag arbeitet. Da gibt es z. B. eine bekannte Aussage von Steve Jobs, der jungen Menschen empfohlen hat, wie er selbst das getan hat, sich jeden Tag seines eigenen möglichen Todes gewahr zu werden…und sich morgens zu fragen, ist das, was ich heute vorhab, wirklich das, was ich tun will, wenn ich morgen sterbe…

Tobias:
Das ist eine sehr ernste und tiefgründige Frage. Ich denke, das ist auch das, was wir in der IT-Branche oft spüren. Ich kenne es von mir und auch von einigen Leuten, mit denen ich gesprochen haben, die sagen, der Job ist eigentlich schon gut, aber mir fehlt der Sinn an der ganzen Sache. Ich sehe, was ich mach den ganzen Tag, ob das jetzt Rechner reparieren oder Software entwickeln ist, aber ich hab trotzdem ein gewisses Gefühl der Leere.

Und wenn ich sage, ich will eine Firma gründen, ist ja oft die Motivation, aus einem schlechten System herauszugehen und zu sagen, ich bin in dieser „Zeit-gegen-Geld-Situation“ gefangen. Oder ich habe einen Arbeitsgeber, wo die Art und Weise, wie das Unternehmen geführt wird, wie das Unternehmen mit mir umgeht nicht passt. Also will ich raus aus der Situation. Aber aus dieser negativen Motivation heraus loszulegen, hält nur eine gewisse Zeit an. Das reicht nicht, um diese Durststrecke, die du angesprochen hast, zu überwinden. Da kommt glaube ich das Sinngefühl „Warum mache ich das überhaupt?“ ganz groß mit ins Spiel.

Vor allem, wenn ich mir diese Frage das erste Mal stelle, wie gehe ich damit um?. Wo fange ich an? Wie finde ich meinen Sinn bzw. mein Ziel? Hast Du da einen Tipp, wie man damit umgehen kann?

Romy:
Ja stimmt, das kann für manche Menschen fast ein bisschen zu groß oder auch zu spirituell wirken. Ich glaube, da muss man mit etwas Gelassenheit rangehen. Mit Zeitdruck und Zwang findet man seinen höheren Sinn vielleicht nicht notwendigerweise. Es ist gut, sich damit zu beschäftigen und aus der eigenen Lebensgeschichte heraus kann sich auch manches von selbst mit der Zeit ergeben. Oder man lässt sich von Geschehnissen leiten, die einen inspirieren, beschäftigen oder berühren.

Tobias:
Aus den ganzen Gesprächen, die du geführt hast und auch aus deiner persönlichen Erfahrung: ein Unternehmen zu gründen, hat auch manchmal viele Stolpersteine und oftmals fällt es einem schwer, loszulegen. Man hat die Idee, aber es bleibt beim Konjunktiv. Gab es auch Leute, die gesagt haben „Ich würde gerne, aber ich schaffe es nicht“? Aus deiner Erfahrung heraus: Gibt es Hindernisse oder Blockaden tatsächlich etwas zu tun?

Romy:
Sicherlich hindern Angst und die Wahrnehmung des Risikos, das damit verbunden ist, den Menschen daran, zu gründen. Was auch völlig legitim ist. Und ich würde auch nicht sagen, dass jeder gründen muss und auch nicht, dass jeder jetzt gründen muss. Jede Unternehmensform bringt ja auch ein eigenes Risiko mit sich.

Zudem stellt sich die Frage, wie stark tatsächlich das Bedürfnis ist, zu gründen und welches Motiv dahinter steckt. Möchte ich von meinem Job weg und raus aus dieser negativen Situation oder möchte ich irgendwo hin, was mich wirklich anzieht und was mir Spaß macht. Wenn man diese Leidenschaft bei sich feststellt und nicht so richtig weiß, warum man diesen Schritt noch nicht getan hat, ist das auch wieder ein Anlass zur Selbstreflektion und zu überlegen, was einem wirklich wichtig im Leben ist. Bringt mich das weiter, erfüllt mich das? Und wenn ich in 5 oder 10 Jahren zurückblicke, werde ich es bereuen oder stelle ich fest, dass mich mein Leben trotzdem erfüllt? Das wäre sicher eine Herangehensweise, die man auch in einem Coaching wiederfinden kann.

Tobias:
Es sind zwei Sachen, die ich für mich jetzt mitgenommen habe. Zum einen ist das Thema „Umgang mit Risiko“. Wir sind es nicht gewohnt, zu sagen „Hey, ich probiere das jetzt mal und wenn es schief geht, ist es kein Weltuntergang“.

Der zweite Punkt, den du angesprochen hast, ist das Thema: „Ich will schon lange gründen, habe es aber noch nicht getan“. Das ist auch etwas, was ich schon häufiger in meinen Coachings festgestellt habe. Die Leute wollen gründen, aber es fehlt ihnen das Selbstbewusstsein dazu. Oft liegt es aber auch an der mangelnden Willensstärke. Also abends nicht den Film auf der Couch zu sehen, sondern sich an den Rechner zu setzen und zum Beispiel einen Blogeintrag zu schreiben und einfach loszulegen.

Da stellt sich, denke ich, ein gewisser Abnutzungseffekt ein. Je länger ich darüber nachdenke und nicht handle, um so niedriger wird meine Willensstärke oder zumindest mein Vertrauen darin. Und andersherum: Um so öfter ich es schaffe, darüber hinwegzukommen und loszulegen, was zu tun und das Ergebnis zu sehen, umso stärker wird meine Willensstärke, mich das nächste Mal auch wieder hinzusetzen und loszulegen. Ist das etwas, was Du auch beobachtet hast?

Romy:
Generell pflegt man Gewohnheiten. Mein Verhalten heute ist gewissermaßen ein Prädiktor dafür, was ich morgen tue. Ich habe diese Gewohnheit gepflegt und ich habe einen gewissen Outcome dabei. Wenn ich es schaffe, mich aufzuraffen, es anzupacken und ich dabei ein gewisses Ergebnis sehe, ist das natürlich eine Motivation weiterzumachen. Initial würde ich immer erst einmal schauen „Möchte ich das eigentlich wirklich?“. Ich würde jedem ans Herz legen, seine eigenen Motive kennenzulernen und seine eigene Intention offenzulegen. Das finde ich sehr wichtig, bevor ich mich blind in eine neue Situation begebe und mich im Nachhinein ärgere, weil ich nicht durchgehalten habe und die Willensstärke nicht hatte.

Aber wichtig ist nach wie vor die Leidenschaft und Neugier. Und sei es nur die Leidenschaft zu und gründen, etwas Neues zu machen und sich vielleicht selbst etwas zu beweisen. Dann geht man vielleicht auch mit dem Thema Risiko anders um.

Tobias:
Vielen Dank für das sehr interessante Interview, Romy!

Wir haben die drei wichtigsten Punkte aus diesem Interview nochmal für dich zusammengefasst und du kannst sie dir jetzt als PDF herunterladen (Die 3 wichtigsten Fakten_final).

Vielleicht hast du ja Lust, dich mit anderen Unternehmensgründern über deine Startup-Situation auszutauschen? Dann schau doch mal in unserer Facebook-Gruppe vorbei: IT-founder.de – Startups und IT-Unternehmen Gründen

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